Wismarer Fußballlegende feiert am Sonnabend runden Geburtstag
04.04.2003
Sicher, die Haare sind nicht mehr so kräftig schwarz wie in den besten Fußballzeiten sondern sind mit der Zeit sehr grau geworden, doch wenn das geliebte Thema Fußball angesprochen wird, leuchten seine Augen immer noch. Günter Szewierski, ein Fußballidol aus den unvergessenen Wismarer Oberligazeiten Ende der 40-er und Anfang der 50-er Jahre, denkt gerne an diese Zeiten zurück.
Günter Szewierski feiert seinen 80. Ehrentag
Vielen älteren Anhängern des Fußballsports ist der ehemalige Abwehrspieler, der u.a. 22 Spiele in der Mecklenburgischen Landesauswahl bestritt, sicher noch bekannt, genau wie seine damaligen Mitspieler Herbert „Bumm“ Stegemann, Günther Brandt, Willi Schweiß, Heinz Minuth oder später Willi „Schiller“ Boldt, der am 09. Mai seinen 75. Geburtstag feiern wird und viele andere.
Bei Hertha Breslau hatte er als 10-jähriger das Fußball-ABC erlernt, war drei Jahre Jugendauswahlspieler des Gaues Schlesien und später in der Ligamannschaft von Hertha Breslau aktiv, bevor er als Soldat in den 2. Weltkrieg ziehen musste. Von dort kam er nach englischer Gefangenschaft erst 1948 wieder und suchte sofort wieder einen Verein, bei dem er seinem größten Hobby nachgehen könnte. Nachdem ihm bei Einheit Schwerin gesagt wurde, dass dort nur Spieler aus der „Residenz“ spielen können, ging er nach Wismar und schloss sich der Mannschaft Wismar Süd an. Zwar verlor er mit seiner Elf das erste große Spiel um die Landesmeisterschaft gegen Einheit Schwerin mit 2:3, doch nicht nur die Kulisse von über 13.000 Zuschauer auf dem Jahnplatz beeindruckten den damals 25-jährigen.
Ein Jahr später war er mit seiner Elf dann erfolgreicher, denn mit einem 1:0-Sieg vor 12.000 Zuschauern bei Einheit Schwerin wurde der Landesmeistertitel perfekt gemacht. Neben der Teilnahme an der ersten Endrunde um die Ostzonenmeisterschaft, bei der man im k.o.-System mit 1:3 an Halle scheiterte hatte sich die Mannschaft als ZSG Anker Wismar für die 1. Ostzonen-Oberligasaison qualifiziert. „Das war trotz des sofortigen Abstieges eine tolle Saison. Wir schlugen solche bekannten Teams wie Babelsberg, Brieske Ost und Erfurt und mußten auch gegen solch starke Teams wie Leipzig und Zwickau nur knappe Niederlagen hinnehmen“, erinnerte sich Szewierski gerne an seine erste Oberligasaison, der mit Motor Wismar im Spieljahr 1951/ 52 noch eine weitere folgte. „Natürlich erinnere ich mich gerne an diese beiden highlights zurück. Nicht aus dem Gedächtnis zu streichen sind solche Partien wie gegen Dresden Friedrichstadt mit solchen Spielern wie Helmut Schön (später Trainer der deutschen Nationalmannschaft), Richard Hoffmann, Kreische, Sammer und dem tollen Torhüter Birkner.
Mit Torhüter Birkner verbinde ich ein besonderes lustiges Erlebnis. Bei einem Spiel in Dresden hatte unser wieselflinke Herbert Stegemann sich den Ball selbst von der rechten auf die linke Spielfeldseite geschlagen, Birkner stürmte aus seinen Kasten heraus und Herbert schoss anstatt des Balles die Mütze von Birkner in das Dresdner Tor“, schmunzelt der Jubilar noch heute über diese Szene. Eine Meniskusverletzung zwang ihn dann 1957 zum Abschluss seiner aktiven Laufbahn. „Damals gab es noch nicht solche Spezialisten wie heute, dass man schon vier Wochen nach der Operation wieder spielen konnte. Eigentlich hatte ich noch nicht vor, meine Karriere zu beenden“, sagte das Geburtstagskind noch.
Das Ende als Spieler, war aber noch lange nicht das Ende seines sportlichen Engagements. Sein Wissen stellte er zuerst jahrelang dem Nachwuchs zur Verfügung, von 1963 bis 1973 war er Mannschaftsleiter der 1. Männermannschaft der TSG Wismar. Und auch den FC Anker Wismar beobachtet der heute 80-jährige mit wachen Augen. Er nahm am 12. Juni 1997 an der Gründungsversammlung des FC Anker teil und wurde wie sei früheren Mitstreiter Heinz Minuth und dem bereits verstorbenen Hans Werner Friederich Ehrenmitglied des Wismarer Fußballclubs. „Ich hoffe, dass es mit dem Wismarer Fußball nach dem Zusammenschluß nun noch besser wird. Der Weg insgesamt ist richtig, doch vor allem muss auf die Jugendarbeit viel Wert gelegt werden", sagte Szewierski. Wünschen wir ihm und seiner Ehefrau Friedel noch viele weitere glückliche und gemeinsame Jahre, denn 53. Jahre sind beide bereits verheiratet, und eine schöne Geburtstagsfeier im Kreise der Familie.




