„Wir wollen oben mitspielen“

06.08.2005


Ankers neuer Oberliga- Trainer Enver Alisic spricht im OZ-Interview über seine bisherige Arbeit, Ziele und Probleme bei seinem neuen Arbeitgeber.

OZ: Herr Alisic, was haben Sie mit Ihrem neuen Verein langfristig vor?

Alisic: Es ist noch zu früh, um das genau sagen zu können. Erst müssen wir eine Mannschaft aufbauen. Die gesamte Jugendarbeit muss besser koordiniert werden, denn das ist das Fundament. Vielleicht spielen wir dann später in der Regionalliga.

OZ: Wo wollen Sie Anker in dieser Saison sehen?

Alisic: Wir wollen oben mitspielen. Unser Ziel ist es, unter die ersten Sechs zu kommen.

OZ: Kann man das mit dem dem jetzigen 28-Mann-Kader schaffen?

Alisic: Das kann man erreichen. Ein paar Spieler haben aber noch nicht die taktische Fähigkeit mitzuhalten. Anderen fehlt die Kontinuität. Und dann müssen wir schauen, dass alle schnellstmöglich spielberechtigt sind. Unsere kroatischen und ungarischen Neuzugänge dürfen ja am ersten Spieltag noch gar nicht auflaufen, weil sie keine Genehmigungen haben.

OZ: Was ist da schief gelaufen?

Alisic: Die Kommunikation ist noch nicht so gut. Hier sind zwei Vereine in einem Verein. Da wird immer gesagt, wir haben das früher so und so gemacht. Einige Leute müssen auch dazulernen.

OZ: Was fehlt dem Verein noch, um an alte Erfolge anzuknüpfen?

Alisic: Man kann im Fußball nicht immer denken: „Lassen wir die erste Mannschaft mal alleine trainieren und schauen dann, was passiert.“ Da muss man mitgehen. Ich habe auch ein Problem mit der Betreuung des Oberliga-Teams. An dieser Stelle sind zu wenig Leute. Damit kann man nicht aufsteigen. Kleine Dinge machen den Fußball groß. Wenn alle zusammen anpacken, dann entsteht etwas. Man braucht nicht zu glauben, da kommt ein Magier aus Bosnien und dann läuft's. Ich alleine schaffe das nicht.

OZ: Können Sie sich überhaupt mit dem FC Anker identifizieren?

Alisic: Na klar, ich bin Profi. Jetzt zählt nur Anker.

OZ: Sie beherrschen fünf Sprachen. Wie sehr hilft Ihnen das im Umgang mit Spielern aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen?

Alisic: Die Verständigung ist kein Problem, bei uns wird englisch, deutsch und ungarisch gesprochen. Die Ungarn und Kroaten sind schon Freunde geworden. Wichtig ist, dass sie von den deutschen Spielern integriert werden. Ich habe in dieser Woche das Gefühl gehabt, dass wir langsam eine Einheit werden. Wer mit seiner Situation nicht zufrieden ist, muss hart arbeiten.

OZ: Welchen Eindruck haben Sie von den Wismarer Fans?

Alisic: Ich habe bei den Testspielen noch nicht so viel mitbekommen, weil ich auf das Spiel geschaut habe.

OZ: Einige fürchten ja, dass es sich bei Anker im Moment nur um dubiose Geschäfte handelt . . .

Alisic: Ich verstehe das nicht bei einem Klub, der seinem Trainer nicht mal ein Auto besorgen kann oder den Spielern Wohnungen. Herr Paulenz bezahlt das alles. Im Fußball gibt's immer Besserwisser. Die denken, sie können mit solchen Aussagen etwas kaputt machen, was sie selbst nie erreicht haben.

OZ: Sie sind mit 58 zwar im besten Traineralter und machen einen fitten Eindruck. Aber wie lange wollen Sie sich den Job noch antun?

Alisic: Solange er Spaß macht.

OZ: Wie lange wollen Sie in Wismar bleiben?

Alisic: Gern für eine längere Zeit. Mit gefällt es hier, auch vom Wetter her. Als Trainer steht die Arbeit mit den Spielern im Vordergrund. Wenn der Spaß irgendwann fehlt, höre ich von selbst auf.

Interview: Robert Schwarz