War die Polizei überfordert?
02.04.2008
Fußball-„Fans" aus Neubrandenburg randalierten am 22. März in Wismar und sorgten beim Pokalspiel für eine Spielunterbrechung. Jetzt wird die Schuldfrage geklärt. Obwohl der FC Anker Wismar im Finale um den Landesfußballpokal steht, will bei den verantwortlichen Vereinsmitgliedern noch nicht die große Freude aufkommen. Sie sind empört, dass ihr Verein nun für die Ausschreitungen der sogenannten „Fans" aus Neubrandenburg büßen soll. Der Landesfußballverband hat sowohl gegen die Wismarer als auch Neubrandenburger ein Verfahren eingeleitet. Das Ergebnis steht noch aus. Doch erfahrungsgemäß erhalten die Vereine mindestens eine Geldstrafe, wenn nicht sogar Platzsperre.
„Wir wurden im Vorfeld von der Geschäftsstelle des 1. FC Neubrandenburg gewarnt, dass zum Pokalspiel alkoholisierte ,Krawalltouristen' nach Wismar kommen. Wir sollten diesen alkholisierten Personen den Zugang zur Sportstätte verwehren. Deshalb haben wir das Schreiben auch gleich an die Polizei in Wismar weitergeleitet", so Anker-Präsident Reinhart Kny gegenüber der OSTSEE-ZEITUNG. „Darüber hinaus haben wir uns dann entschlossen, die Zahl der Ordner zu erhöhen und zusätzlich zu den vereinseigenen Ordnern einen Sicherheitsdienst zu beauftragen. Insgesamt hatten wir zwölf Ordner im Einsatz. Hiervon wurden drei Ordner zusätzlich über eine Sicherheitsfirma gebucht", fügt Kny noch hinzu.
Noch vor dem Anpfiff des Spiels randalierten 14 Neubrandenburger „Fans" in der Innenstadt. Sie hatten laut gegrölt und mit Bierflaschen um sich geworfen. Daraufhin wurden sie von der Polizei in Gewahrsam genommen.
Dass das Spiel nicht im Kurt-Bürger-Stadion, sondern auf dem Kunstrasenplatz in der Bürgermeister-Haupt-Straße ausgetragen wurde, entschied der Schiedsrichter kurz vor dem Anstoß aufgrund der Wetterlage. Im Stadion hätten die Neubrandenburger Fans ihren eigenen abgeschirmten Sitzbereich gehabt. Dagegen können gewaltbereite Fans die Barriere auf dem Kunstrasenplatz ohne Weiteres überwinden.
Bereits nach dem Führungstor der Wismarer in der 23. Minute kam es zu ersten Tumulten, ausgelöst durch „Fans" des 1. FC Neubrandenburg. „Diese konnten durch Einschreiten des Ordnungsdienstes beruhigt werden", so der Anker-Präsident.
Doch in der zweiten Halbzeit eskalierte die Situation. So sollen drei bis vier Neubrandenburger vor dem Imbisswagen eine Schlägerei angezettelt haben. „Diese Gewalt war massiv, sodass unsere Ordner sie nicht mehr unterbinden konnte", berichtet Reinhart Kny weiter. Nachdem ein Neubrandenburger mit einer Eckfahne auf das Spielfeld lief, wurde die Partie für etwa 15 Minuten unterbrochen. Erst durch das Einschreiten der Polizei konnte die Gewalt beendet werden.
Doch diese war lediglich mit zwei zivilen Kräften vor Ort. Sie nahmen auch einen Randalierer aus Neubrandenburg vorläufig fest. Die vom FC Anker herbeigerufene Funkstreife erschien erst zwölf Minuten nach Alarmierung auf dem Kunstrasenplatz. „Vielleicht hätte eine gewisse Polizeipräsenz diese Ausschreitungen verhindern können", meint Kny.
Der Wismarer Polizeirevierleiter Dr. Michael Eggert weist jedoch jegliche Kritik über den Einsatz am 22. März zurück. „Unsere Kräfte waren mit der Festnahme von 14 Randalierern aus Neubrandenburg beschäftigt. Deshalb konnte zunächst auch keine Funkstreife vor Ort sein", wehrt sich der Revierleiter. Auch sei er mit dem Einsatz nicht überfordert gewesen. „Die Personalstärke hat an diesem Tag ausgereicht", ergänzt er.
von Ostsee-Zeitung
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