Trotz 5:0-Sieg tat sich FC Anker schwer
19.10.2009
Der FC Anker Wismar hat seine gute Heimbilanz gegen die HSG Greifswald weiter ausgebaut, den vierten Heimsieg eingefahren und das (Heim-)Torkonto auf 18:0 Tore ausgebaut. Dennoch ist es sicher nicht selbstverständlich, dass ein Trainer trotz eines klaren 5:0-Erfolges seiner Elf mit dem Spiel seines Teams nicht zufrieden ist. Die Gäste vom Bodden hatten aufgrund vieler Verletzungen keine komplette Truppe auf die Beine stellen können und reisten in Wismar nur mit zehn Feldspielern an.
„Wir haben in Greifswald schon ernsthaft überlegt, ob wir überhaupt nach Wismar fahren. Wir kamen uns in dem großen Bus dann auch ziemlich verloren vor. Deshalb muss ich meiner Mannschaft trotz der klaren Niederlage ein großes Kompliment machen, denn was sie in der Abwehr geboten hat, war schon super. Wir standen ja unter ständigem Beschuss, aber die Wismarer versiebten eine Vielzahl bester Tormöglichkeiten. Und wenn wir dann noch unsere einzige Möglichkeit durch Steffen Hafermann (29.) zum Ausgleich genutzt hätten, kaum auszudenken", sagte der Greifswalder Coach Bernd Wunderlich nach dem Spiel in der Pressekonferenz.
Ankertrainer Timo Lange dagegen war mit dem Spiel seiner Elf überhaupt nicht zufrieden. „Wir hatten eine sehr schlechte Raumaufteilung, eine hohe Fehlerquote bei den Abspielen und zeigten gegen die Boddenstädter ein miserables Passspiel. In der ersten Halbzeit haben wir uns eindeutig zuwenig Chancen herausgearbeitet, nach der Pause haben wir zwar noch vier Treffer erzielt, aber es hätten deutlich mehr sein müssen, nicht nur können", war Lange sauer über die Leistung seiner Elf über das gesamte Spiel. Letztlich konnte er sich nur bei seinem Gegenüber Bernd Wunderlich bedanken, dass er mit seinem Team überhaupt angereist war. „Sonst hätten wir ja nur 3:0 gewonnen", sagte Lange mit viel schwarzem Humor.
Die Gastgeber bestimmten die Partie zwar von Beginn an, aber sie fanden nur in der 15. Minute die entscheidende Lücke. Nach einer Ecke von der linken Seite hob Fabian Bröcker die Kugel auf den Kopf von Andre Hildebrandt und der ließ Passow keine Abwehrchance. Nachdem die Ankercrew die weiteren Möglichkeiten nicht genutzt hatte, stand Passow noch einmal im Mittelpunkt des Geschehens, als er außerhalb des Strafraums den frei durchgebrochenen Sissoko Moussa von den Beinen holte und so vom gut amtierenden Hamburger Unparteiischen Alexander Teuscher den roten Karton sah. Der folgende Freistoß von Fabian Bröcker war dann aber eine sichere Beute von Ersatzkeeper Steffen Hafermann, der bis zu diesem Zeitpunkt im Angriff der Greifswalder gespielt hatte.
In der Halbzeitpause stellte Trainer Timo Lange um, nahm Abwehrspieler Björn Gierahn vom Platz, brachte mit Marcel Wulff einen weiteren gelernten Angreifer und forderte deutlich mehr Engagement und Tore gegen die nun arg dezimierten Boddenstädter. Und es schien, dass sein Team dies beherzigen wollte. So erzielte Lars Kanter im Anschluss an einen Freistoß von Fabian Bröcker den Treffer zum 2:0, bevor sich dann Marcel Wulff mit seinen beiden Toren für die Einwechslung bedankte. Zuerst überlistete er Hafermann im HSG-Tor mit einem gekonnten Heber, dann staubte er im Nachschuss ab, nachdem der Greifswalder Schlussmann einen scharfen Schuss von Fabian Bröcker nur abklatschen konnte. Es waren seine Treffer Fünf und Sechs in dieser Spielzeit.
Den Schlusspunkt setzte Bröcker dann wieder selbst, als er ein langes Solo startete und zum 5:0-Endstand einnetzen konnte. Für den Mannschaftskapitän der Hansestädter war es bereits der zehnte Treffer in dieser Saison, mit dem er hinter dem Neubrandenburger Dennis Schmidt (zwölf Tore) auf Platz zwei der Torjägerwertung der Verbandsliga steht. Allerdings ist Schmidt ein gelernter Stürmer, während Bröcker aus dem Mittelfeld heraus agiert.
Zwar hatten die Gastgeber dann in den letzten zehn Minuten durch Andre und Steffen Hildebrandt, Sissoko Moussa und Marcel Wulff noch weitere glasklare Möglichkeiten, doch der Ball wollte einfach nicht mehr ins Greifswalder Gehäuse. „Am nächsten Sonntag in Graal-Müritz steht uns ein deutlich stärkerer Gegner gegenüber, dann müssen wir unsere Chancen erheblich besser nutzen", wies Ankertrainer Timo Lange bereits auf das nächste Punktspiel hin.
Tore: 1:0 (15.) Andre Hildebrandt, 2:0 (49.) Lars Kanter, 3 0/ 4:0 (52./ 70.) Marcel Wulff, 5:0 (79.) Fabian Bröcker
SR.: Alexander Teuscher (Landesverband Hamburg)
Z.: 315
Besondere Vorkommnisse: 44. rote Karte für Mathias Passow (HSG Greifswald) nach Foulspiel als letzter Mann vor dem Strafraum gegen Sissoko Moussa
FC Anker Wismar mit: Höcker - Gierahn (46. Wulff), L. Kanter, Schnöckel (75. Martens), Laumann - Rosinski, A. Hildebrandt, Bröcker, Schwandt - Moussa, Heine (75. S. Hildebrandt). Trainer: Timo Lange
von Andreas Kirsch (Ostsee-Zeitung)




