Hansa-Verteidiger Orestes stellt sich nach dem Spiel geduldig den Autogrammwünschen seiner jungen Fans
Stimmen zum Spiel: Wismar jubelt über gefühlten Sieg
15.07.2009
Nach dem Schlusspfiff kurz vor 21 Uhr strömten die Massen auf den Rasen, um sich Autogramme geben zu lassen. Unter ihnen Kijara Sophie, die mit ihren zwei Jahren zu diesem Zeitpunkt eigentlich ins Bett gehörte. Aber Mama Manuela Dargel (27) aus Klütz drückte mal ein Auge zu. Mit Papa Ronny Wiesner (22) war das kleine Mädchen auf Autogrammjagd. Auf ihrem kleinen FC-Hansa-Shirt verewigten sich Enrico Kern & Co.
Während bei der kleinen Klützerin das Shirt „herhalten" musste, war es bei Marvin Toll aus Wismar seine Hose - sehr zum Entsetzen von Mama Kathleen Toll (29). „Die behalte ich jetzt immer an, und Mama darf sie nicht mehr waschen", erklärte der Siebenjährige voller Stolz. Er hoffte auf einen Sieg des FC Anker. „Ich wollte einen Gewinner. Gleichstand ist doch langweilig", meinte er. Das sah Tom Hünemörder ganz anders. Stolz war er auf seinen „Heimat-Verein". Als Wismarer drückte er natürlich der Anker-Elf die Daumen. Hansa dagegen hat ihn ein wenig enttäuscht. „Die hätten mehr leisten können", meint der Elfjährige.
In der gleichen Wunde stochert auch Gisela Grünberg. Die 58-Jährige aus Wismar präsentiert sich seit zwei Jahren als Hansa-Fan und fährt zu jedem Heimspiel. „Mit dem neuen Trainer und der neuen Aufstellung wird es mit Hansa aufwärts gehen", glaubt sie. Nur dürfen sie dann nicht so spielen wie gestern. „Sie haben nicht alles gegeben! Ich gönne Anker den Endstand!" Auf der Tribüne herrschte nicht minder große Begeisterung. Der frühere Justiz- und Wirtschaftsminister Rolf Eggert sah von Anker „eine begeisternde Leistung, Hansa hat mich dagegen enttäuscht", sprach der Wismarer von einem gefühlten Sieg der Gastgeber.
Ulli Gienke, Aufsichtsratsvorsitzender von Hansa Rostock, wollte hingegen von einer gefühlten Niederlage nichts wissen, „weil wir viel ausprobiert haben". Anerkennend äußerte er sich über Anker: „Ich habe eine sehr engagierte Leistung gesehen und freue mich, dass so viele Zuschauer gekommen sind".
Hansa-Trainer Andreas Zachhuber erklärte in der Pressekonferenz, dass er sich unheimlich gefreut habe, in seiner Geburtsstadt gespielt zu haben. Seine Eltern, Verwandte und Freunde waren ebenfalls im Kurt-Bürger-Stadion. Zu Anker Wismar sagte „Zacher": „Das Unentschieden ist mehr als verdient. Ich freue mich über die Entwicklung in Wismar und wünsche der Mannschaft, dass sie in die Amateuroberliga aufsteigt." Anker-Trainer Timo Lange ließ keinen Zweifel daran, dass er und sein Team das Spiel mit voller Ernsthaftigkeit angegangen waren. Er sprach von einem guten Ergebnis, erfreulichem Defensivverhalten und sah kreuzgefährliche Spielzüge nach vorn. Hansa dankte er dafür, dass der Verein kostenfrei angetreten ist.
Anker-Präsident Reinhart Kny sieht das Team „auf einem guten Weg für die Saison, darauf lässt sich aufbauen. Heute habe ich ein sehr gutes Spiel unserer Mannschaft gesehen".
von Heiko Hoffmann/Jana Franke (Ostsee-Zeitung), Fotos: Daniel Koch




