Schlusslicht FC Anker empfängt Spitzenreiter Neuruppin

11.04.2006


Der FC Anker empfängt morgen um 17.30 Uhr den Oberliga-Tabellenführer MSV Neuruppin. Die Hansestädter ziehen vom ungeliebten Kunstrasen ins Kurt-Bürger-Stadion um. Der MSV Neuruppin gibt ein verrücktes Bild ab in diesen Tagen. Vor einer Woche wurde bekannt, dass Trainer Christian Schreier (331 Bundesligaspiele) nach dem überraschenden Lizenzverzicht die Seiten wechselt und den Meisterschaftsrivalen und Aufstiegsfavoriten Union Berlin in die Regionalliga führen will. Als Nachfolger wurde prompt Wolfgang Sidka verpflichtet.

Der 51-Jährige spielte in den siebziger und achtziger Jahren in der Eliteklasse des deutschen Fußballs für Hertha BSC, 1860 München und Werder Bremen (333 Einsätze). Der ganz große Erfolg blieb ihm verwehrt. Viermal wurde er Vizemeister, zweimal unterlag er im Pokalendspiel. Nachdem Sidka die Bremer (1997-99), Al Arabi/Katar (2003-05) und die bahrainische Nationalmannschaft (2000-05) betreute, versucht sich der Blondschopf nun in den Niederungen der NOFV-Oberliga Nord. Seine Aufgabe ist es, die Mannschaft des MSV Neuruppin nach dem Aufstiegsverzicht bei Laune zu halten. „Ich werde alles daran setzen, das sportliche Niveau bis zum Saisonende zu halten“, verspricht Wolfgang Sidka. In Neuruppin bereitet man sich schon auf das brisante Duell mit Union Berlin (22. April) vor. Doch zunächst reisen die Fontanestädter, die die Oberliga weiter souverän anführen, morgen zum Tabellenletzten nach Wismar. Die Hansestädter werden nach der Misere von vier Niederlagen auf Kunstrasenplätzen und einem hoffnungsvollen 1:1-Unentschieden auf dem Rasen des Rostocker Volksstadions ihr erstes Heimspiel 2006 im Kurt-Bürger-Stadion austragen. Dort haben die Wismarer in der Hinrunde ihre drei einzigen Siege eingefahren. „Auch gegen Neuruppin ist alles möglich“, prophezeit Ankers Trainer Bego Catic. „Ich weiß um die Stärke des Gegners. Aber wir spielen zu Hause.“

Wieder ruhen die Hoffnungen besonders auf den Schultern von zwei Spielern. Der kroatische Stürmer Josko Goreta und das Wismarer Eigengewächs Florian Zysk sind Herz und Sinnbild der Mannschaft. 16 der 21 Anker-Tore gehen auf das Konto des Duos. „Zu Anfang war ich gar nicht so zufrieden mit ihm“, gesteht sein Trainer, „aber der kleine Flori hat mich überzeugt. Ich sehe gute Perspektiven für ihn.“ Bego Catic, der am Sonnabend in Rostock seinen ersten Punkt als Trainer des FC Anker feierte, bescheinigt weiteren Spielern eine gute Entwicklung in seiner bislang kurzen Amtszeit. Er nennt Sasa Disic, David Rosinski, Daniel Schnee, Minja Radovic. „Was wir brauchen, ist eine funktionierende Mannschaft, keine Einzelkönner.“ Daniel Schnee spielte gegen Babelsberg und in Rostock mit Schmerzen und wird wohl auch morgen die Zähne zusammenbeißen. Kapitän Jakov Kolak wird nach abgesessener Gelb-Rot-Sperre wieder in den Kader zurückkehren. Die Knieverletzung von Sebastian Peters dürfte noch ein bis zwei Wochen Auszeit in Anspruch nehmen. Alle anderen schwört Bego Catic schon einmal auf das Neuruppin-Spiel ein: „Ich sage immer: Der Gegner ist egal. Wichtig ist nur, wie wir spielen.“

Robert Schwarz