Oberligist FC Anker holt internationalen Trainer

13.07.2005


Der FC Anker Wismar machte gestern Abend eine große Überraschung perfekt: Vorstand und Aufsichtsrat des Oberligisten stimmten gegen 21 Uhr der Verpflichtung von Trainer Enver Alisic zu. Letzte Vertrags-Details sollen heute mit dem 58-Jährigen, der 1992 bis 1993 das Nationalteam Bosnien-Herzegowinas betreute, verhandelt werden. Der gebürtige Jugoslawe feierte seine größten Erfolge beim belgischen Spitzenklub KRC Genk. Als Trainer gelang ihm 1989/90 der Aufstieg in die Jupiler League.

Beim deutschen Südwest-Regionalligisten Borussia Neunkirchen entdeckte er ein Jahr später den nigerianischen Nationalspieler Augustine „Jay Jay“ Okocha (Eintracht Frankfurt, heute Bolton Wanderers). Enver Alisic kehrte 1996 als Sportlicher Leiter nach Genk zurück und legte durch geschickte Transferpolitik den finanziellen Grundstein für die erste belgische Meisterschaft 1999. Auf dem Höhepunkt des Erfolges verließ er den KRC Genk und trat überwiegend als Spielerbeobachter in Erscheinung. 2002 endete sein letztes Trainer-Engagement beim belgischen Zweitligisten KRC Zuid-West Vlaanderen.

Jetzt glaubt Alisic, mit Anker Wismar eine neue Herausforderung gefunden zu haben. „Ich sprühe voller Tatendrang und freue mich auf die neue Arbeit. Mir steht ein 16-Stunden-Tag bevor – genau das will ich.“ Einen ersten Eindruck konnte sich der neue Übungsleiter bereits am Sonnabend bei der 0:2-Testspielniederlage gegen Verbandsligist Hafen Rostock verschaffen. „Ein paar interessante junge Leute“ habe er gesehen. Eine verstärkte Jugendarbeit und Kooperationen mit umliegenden Vereinen sollen den Fußballklub auf ein neues Fundament mit jungen Spielern stellen. Der künftige Steuermann des FC Anker setzt außerdem auf Zusammenarbeit mit allen Verantwortlichen im Verein, insbesondere den Nachwuchstrainern der A-, B- und C-Junioren.

Der Kontakt zwischen Alisic und Anker Wismar kam eher zufällig über den befreundeten Unternehmer Bruno Paulenz zustande. In einem Camp für arbeitslose Fußballer haben sie ein Engagement bei Anker erstmals konkret besprochen. Der Weltenbummler betont, sich be-wusst für einen ostdeutschen Verein entschieden zu haben. Nicht umsonst kämen überdurchschnittlich viele deutsche Nationalspieler aus den neuen Bundesländern. „Ich halte von den ostdeutschen Trainingsmethoden sehr viel“, erklärt Alisic, der sein Trainerpraktikum 1986/87 bei südamerikanischen und europäischen Spitzenvereinen absolviert hat.

„Wir freuen uns, dass sich Herr Alisic für unseren Verein entschieden hat. Er wird uns weiterhelfen. Vor allem die jungen Spieler werden von seinen großen fußballerischen Erfahrungen profitieren“, meinte gestern Abend Anker-Präsident Gerhard Raabe. Das heutige Vorbereitungsspiel zwischen dem FC Anker und Warnow Papendorf (Anstoß 19 Uhr, Kurt-Bürger-Stadion) wird noch Dietmar Hirsch leiten. Fortan wird er Assistent von Enver Alisic. Der neue Chef wird am Donnerstagvormittag zu seinem ersten Training beim FC Anker bitten. Um sich mit Anker in der NOFV-Oberliga Nord dauerhaft zu etablieren, will sich der Diplom-Fußballlehrer dennoch punktuell verstärken. Natürlich im Sinne seiner Fußballphilosophie – „schnell, modern und fair“.

Robert Schwarz