Oberliga - 18. Spieltag: FC Anker Wismar - SV Falkensee/Finkenkrug 0:1 (0:1)
20.02.2006
Eine tennisballgroße Schürfwunde am Knie war das einzige, was Minja Radovic vom peinlichen 0:1 gegen den Mitkonkurrenten SV Falkensee/Finkenkrug mitnahm. Der 25-Jährige blieb nach dem Abpfiff ein paar Minuten auf dem Kunstrasen sitzen. „Gar nichts war das. Kein Einsatz, kein Spiel, gar nichts!“, schrie ihm ein enttäuschter Anhänger entgegen. Der kleine Wutausbruch hätte fast jeden treffen können.
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Falkensee verordnete Anker eine Schock-Therapie
Regungslos nahm Radovic die Worte zur Kenntnis. Er suchte nach Erklärungen, die er wenige Sekunden nach dem ersten Oberligaspiel im Jahr 2006 nicht finden konnte: „Das ist eine Katastrophe. Jeder weiß, dass wir eine neue Mannschaft sind. Wir müssen jetzt wieder den Kopf frei bekommen.“ Florian Zysk, der ebenfalls keine Bäume ausriss, fand deutliche Worte: „Wenn wir so weiterspielen, können wir uns den Klassenerhalt abschminken.“ Woran es gelegen hat, weiß auch er nicht. „Wir haben uns gut vorbereitet, waren im Trainingslager, haben täglich trainiert. Wir brauchen vielleicht noch Zeit, aber irgendwann läuft uns die Zeit weg“, meinte Zysk, der mit fünf Toren in der Hinrunde am zweithäufigsten für Anker traf.
So vieles blieb am Sonnabend Stückwerk, dass sich die mitleidenden Zuschauer ernsthafte Sorgen um die wahre Qualität der Mannschaft machen mussten. Torhüter Norman Köhlmann und Außenläufer Christian Donner waren die einzigen Spieler, denen Chefcoach Enver Alisic „Normalform“ bescheinigte. Ausgerechnet zwei Akteure, die bereits in der desaströsen Hinrunde bei Anker spielten. Der Mannschaft mangelnden Willen zu unterstellen, greift zu kurz. 60 Minuten lang rannte Anker dem frühen Rückstand hinterher. Doch die Angriffe sind meist schon im Mittelfeld stecken geblieben. Letztes Mittel waren lange Bälle, die postwendend Falkensee in Ballbesitz brachten. Ankers kopfballstärkster Offensivmann, der 1,89 Meter große Arsim Gashi, wurde von seinen Gegenspielern gut zugestellt.
Trainer Enver Alisic erklärte das Versagen psychologisch, wenn er sagte: „Das ist nicht die Mannschaft, die wir in der Vorbereitung gesehen haben.“ Vielmehr habe eine „schlechte Stimmung“ Einzug gehalten, die Spieler seien „zu euphorisch“ gewesen. Falkensee verordnete Anker eine Schock-Therapie. Ohne fünf Stammspieler, aber mit Mut und dem Schwung aus der Hinrunde schoss sich der Abstiegskandidat vom letzten Tabellenplatz.
Dauer-Optimist Enver Alisic traut seiner Mannschaft am kommenden Wochenende dasselbe zu, wenn die Auswärtspartie in Torgelow steigt. Dort ist Anker fast schon zum Siegen verdammt. „Die Mannschaft ist intakt. Sie hat eine super Moral und Qualität. Ich hätte sowieso lieber mit einem Auswärtsspiel begonnen“, verriet Alisic. Einfacher dürfte es bei den traditionell heimstarken Torgelowern aber nicht werden.
Falkensee mit: Lutz – Werner, Hörster, Schiemann, Meier – Höche, Ruff, Senf, Sliwa – Gutknecht (86. Gimmel), Kienle (73. Nimscholz).
Schiedsrichter: Weißenborn (Berlin).
Tor: 0:1 Gutknecht (12.).
Zuschauer: 260.
Robert Schwarz




