Klassenerhalt ist wichtigstes Ziel
05.08.2006
OZ sprach vor dem morgigen Heimspiel (Anstoß: 14 Uhr im Stadion) gegen den Pasewalker FV mit dem Trainer vom FC Anker Wismar, Bego Catic.
OZ: Herr Catic, Sie haben wegen des FC Anker Wismar im Sommer sogar den Wohnort gewechselt, sind mit Frau und Kind von Berlin nach Wismar gezogen. Was hat Sie zu diesem nicht unerheblichen Schritt bewogen?
Catic: Ich bin seit der Wintervorbereitung mit einigen Tagen Pause immer wieder in Wismar gewesen und habe nach einigen Wochen die Mannschaft von Enver Alisic übernommen. Es war schnell abzusehen, dass mit dem vorhandenen Spielerstamm trotz einiger Erfolge, ich denke da an die drei Siege gegen Union, den SV Yesilyurt und den Berliner AK, der Klassenerhalt nicht machbar war. Trotzdem hat mir die Arbeit hier gefallen und ich möchte in Wismar etwas aufbauen.
OZ: Wissen Sie, auf was Sie sich da eingelassen haben?
Catic: Ja. Wir fangen ja praktisch wieder von vorne an. Ich hatte schon gehofft, dass einige Spieler wie Christian Donner oder auch Ante Simunac in Wismar bleiben, denn außer Florian Zysk und Sasa Disic sind ja praktisch keine Spieler aus dem letzten Spieljahr mehr dabei. Aber ich freue mich trotzdem auf die Aufgabe mit der neuen, sehr jungen Mannschaft.
OZ: Mit Denny Jeske, Krzysztof Kawczynski und Patrick Oldendorf haben sie nur drei Spieler aus dem Männerbereich dazubekommen, davon mit Jeske und Oldendorf noch zwei sehr junge. Meinen Sie, das reicht aus?
Catic: Das stimmt, aber die Testspiele, auch wenn es nur Partien gegen unterklassige Mannschaften waren, haben gezeigt, dass diese drei Neuzugänge sehr wichtig für uns sind. „Kawa“ im Tor strahlt Ruhe aus, Patrick Oldendorf hat sich gut als Abwehrchef entwickelt und Denny Jeske ist im Mittelfeld bereits jetzt eine große Verstärkung. Er zeichnet sich nicht nur als Torschütze aus, sondern lenkt das Spiel teilweise bereits sehr gut. Ich hoffe aber, dass mit Maik Kerinn und Jens Schawaller die Spieler aus der Landesligaelf schnell ins Team finden.
OZ: Benötigen Sie also keine weitere Verstärkung?
Catic: Natürlich, ein so junges Team braucht erfahrene Spieler zur Lenkung und Leitung. Ich hoffe, dass unser Management noch den einen oder anderen Aktiven verpflichten kann. Natürlich dürfen solche Verpflichtungen nicht den finanziellen Rahmen sprengen und sie müssen eine Verstärkung sein, nicht nur eine quantitative Aufwertung des Teams.
OZ: Was dürfen wir und die vielen Fußballfreunde in und um Wismar in der neuen Saison von der Mannschaft erwarten?
Catic: Auf keinen Fall den sofortigen Wiederaufstieg! Von der Mannschaft, die einen Altersdurchschnitt von knapp über 20 Jahren hat, darf man keine Wunderdinge erwarten. Wir dürfen nicht vergessen, dass fast drei Viertel der Spieler in der abgelaufenen Saison noch in der A-Juniorenmannschaft gestanden haben. Für uns ist der Klassenerhalt das erste Ziel. Wenn dieses junge Team das erste Jahr gut überstanden hat, dann kann man wieder optimistisch in die Zukunft schauen. Bis dahin heißt es hart arbeiten, hart arbeiten und nochmals hart arbeiten.
OZ: In den letzten Jahren hat es mit dem Übergang vom Nachwuchsbereich zum Männerbereich nicht so geklappt. Viele talentierte Spieler sind zu anderen Vereinen in der Umgebung gegangen. Woher kommt jetzt der Sinneswandel bei Anker?
Catic: Das weiß ich natürlich nur vom Hören. In diesem Jahr ist das ja anders, wie man sieht. Aber das gute nachbarschaftliche Verhältnis zu den Vereinen der Region ist auch sehr wichtig. Es soll sich ein „Geben und Nehmen“ entwickeln. Ein gutes Beispiel der Zusammenarbeit ist mit den Wechseln von Denny Jeske und Patrick Oldendorf zu sehen. Spieler, die es nicht in die Verbands- oder Oberliga schaffen, sollten die Landesligisten oder auch die Bezirksligateams verstärken.
OZ: Bevorzugen Sie ein besonderes Spielsystem und wen schätzen Sie als Favoriten für die neue Saison ein?
Catic: Wir werden in der Regel mit einer Viererkette agieren, aber ich kann mir auch vorstellen, mit einem klassischen Libero und Manndeckern zu spielen. Bevorzugen würde ich aber ein 4-4-2-System. Als klarer Favorit geht in diesem Jahr der Greifswalder SV ins Rennen. Der Verein hat mit Andreas Zachhuber einen bundesligaerfahrenen Trainer verpflichten können und hat zudem personell mächtig aufgerüstet. Diese Mannschaft wird eine ähnlich dominante Stellung einnehmen wie in der letzten Saison der FC Schönberg 95. In der Spitzengruppe erwarte ich weiterhin Eintracht Schwerin, den FSV Bentwisch und den Malchower SV 90.
OZ: Was möchten Sie den Wismarer Fans sagen?
Catic: Wir werden auch in dieser Saison nicht von Sieg zu Sieg eilen können. Und da bitte ich unsere Zuschauer, der Mannschaft trotzdem Mut zu machen und nicht gleich zu pfeifen. Das hilft dem Team viel mehr und dann wird sich auch wieder der Erfolg einstellen. Mit meinem Co-Trainer Jürgen Rohloff werde ich alles Erdenkliche unternehmen, um unseren Fans in Wismar schnell wieder erfolgreichen und auch höherklassigen Fußball zu bieten.




