Freundschaftsspiel: FC Anker Wismar - FC Hansa Rostock 0:4 (0:1)
08.10.2005
Der FC Hansa war am gestrigen Nachmittag in Wismar zu Gast. Nach gutem Spiel verlor die Anker-Elf mit 0:4 gegen den Favoriten. „René, jetzt bist du dran“, Klaus Schernikau (66) schickt den jungen Mann zur Anzeigetafel im Kurt-Bürger-Stadion. Soeben hat der FC Hansa Rostock in der Begegnung mit dem FC Anker das 1:0 geschossen. Noch dreimal bekommt René Müller (18) den Auftrag vom Verantwortlichen für die Ergebnisanzeige, das Resultat zu Gunsten der Hansa-Elf zu korrigieren.
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Anker-Fans machten Spiel zum Volksfest
„René hat eine Behinderung. Trotzdem gehört seine große Leidenschaft dem Fußball“, sagt Schernikau, bei TSG Wismar in den 60er Jahren Spezialist für Elfmeter und Freistöße. Er zeigt auf ein Plakat, das sein Schützling extra für die heutige Partie angefertigt hat. „1. Liga wir kommen!“ – das steht für den FC Hansa. „Raus aus Liga 4, rein in Liga 3“ – damit ist Anker gemeint. Der Plakatgestalter erklärt seine Absicht. Inzwischen machen die Rostocker Dauerdruck. „5:0“, tippt da Polizeihauptmeister Peter Manikowski, der gemeinsam mit Polizeiobermeister Michael Falk Präsenz zeigt. Beide sind sich sicher, dass an diesem Tag alles ruhig bleibt: „Schließlich ist es ja ein Freundschaftsspiel...“
Eine Einschätzung, die auch Andreas Vagt (23), stellvertretender Einsatzleiter des Sicherheitsdienstes, teilt: „Wir sind mit zehn Leuten hier, dazu zehn Anker-Ordner. Wir haben wenig zu tun. Die Fans sind in bester Laune.“ Einer der ältesten von ihnen ist Willi Boldt. „Schiller“, wie ihn alljene nennen, die den Mittelläufer von Anker Wismar Ende der 40er und in den 50er Jahren noch spielen sahen. Der 77-Jährige ist mit dem Spielverlauf gar nicht unzufrieden. „Durchaus sehenswert. Mein Tipp: 3:0 für Hansa“, sagt er und hat es eilig, wieder auf seinen Platz im Stadion zu kommen. Wolfgang Schnelle, Inhaber des Presse- und Fan-Shops in der Dankwartstraße, ist dagegen dazu verdammt, dem Geschehen auf dem Rasen nur akustisch zu folgen. „Kein Problem“, sagt er und freut sich über den Zuspruch der Anker-Anhänger, die sich für Handtücher, Schals und vor allem für die nagelneuen Basecaps interessieren. „Mein Geheimtipp ist allerdings ein spannendes Fußball-Würfelspiel mit den besten Mannschaften aus MV“, verrät er.
Inzwischen hat Stadionsprecher Andreas Knothe (23) in seiner Kabine Zeit zum Luftholen. Seit 1997 informiert er die Zuschauer über Spieler und Tore. „Ich war damals deutschlandweit der Jüngste meiner Gilde“, sagt er nicht ohne Stolz. Jetzt hat er wieder das Wort: „Die Zuschauerzahl beträgt 2250.“ Ein Raunen quittiert diese Durchsage. Auch René Rydlewicz hat mittlerweil auf den Traversen Platz genommen. Doch zum Zusehen kommt der Hansa-Kicker kaum. Scharenweise umringen ihn die Fans. Trikots, Handys, selbst Sportschuhe zieren sein Autogramm. „Prima Stimmung hier“, meint er anerkennend. Eine Meinung, die sich mit der von Anker-Präsidenten Gerhard Raabe deckt: „Das hat ja fast Volksfestcharakter.“ Auch mit dem finanziellen Ertrag des Spiels, der ausnahmslos dem FC Anker zugute kommt, zeigte sich Raabe zufrieden.




