FC Anker beginnt Abenteuer Oberliga
05.08.2010
Am kommenden Sonnabend startet der Fußballclub Anker Wismar in die Oberliga-Saison. Das Team von Cheftrainer Timo Lange empfängt im Kurt-Bürger-Stadion den Mitaufsteiger SV Altlüdersdorf. Über die neuen Ziele sprach OZ mit ihm und dem Präsidenten Reinhart Kny.
OSTSEE-ZEITUNG: Der FC Anker Wismar hat in der zurückliegenden Saison sein erklärtes Ziel erreicht und ist ungeschlagen in die Oberliga aufgestiegen. Was hat sich der Verein diesmal vorgenommen?
Kny: Die stabile Arbeit im Spieljahr 2009/2010 und in Vorbereitung auf die neue Saison sind für uns Maßstab, in der Oberliga im oberen Drittel mitzuspielen. Die Rahmenbedingungen um die erste Mannschaft und auch die Stimmung im Team stimmen und deshalb kann das Ziel nur sein, mindestens den sechsten Platz zu erreichen. Die Mannschaft unter Leitung von Cheftrainer Timo Lange ist in der Lage, das haben die Vorbereitungsspiele gezeigt, unseren Zuschauern ein gutes Oberliganiveau zu bieten.
Lange: In der Mannschaft steckt viel Potenzial, um im oberen Drittel mitspielen zu können.
OZ: Stapeln Sie damit nicht zu hoch. Bekanntlich haben Aufsteiger nur den Klassenerhalt im Sinn. Der FC Anker soll aber oben mitspielen. Woher nehmen Sie Ihren Optimismus?
Kny: Wenn wir nur um den Klassenerhalt spielen wollen, dann ist das keine Motivation, weder für die Mannschaft noch für unsere vielen Fans und Zuschauer. Wir haben zwei Jahre lang kontinuierlich die Rahmenbedingungen verbessert. Das zeigt sich auch in den Ergebnissen der ersten Mannschaft. Im Übrigen haben wir auch für das Spieljahr 2009/2010 den Aufstieg als Ziel herausgegeben. Motivation leiten wir ab aus realen Zielstellungen und diese Zielstellung ist real, weil in der Mannschaft viel Leistungspotenzial steckt. Der Trainer Timo Lange leistet bei uns sehr gute Arbeit, die sich nicht nur in der Leistungsbereitschaft der Spieler niederschlägt, sondern auch unser Spielsystem positiv beeinflusst.
Lange: Ich kenne die meisten Mannschaften aus der Oberliga. Im vergangenen Jahr haben wir zum Beispiel im Landespokal gegen den Malchower SV gespielt und konnten gegen dieses Team mehr als mithalten, auch wenn wir das Spiel unglücklich mit 0:1 verloren haben. Mit den Neuzugängen ist unsere Mannschaft in der Qualität und Quantität stärker geworden.
OZ: Werden wir von den Neuzugängen am Sonnabend einen in der Anfangself sehen?
Lange: Für das Auftaktspiel gegen den SV Altlüdersdorf habe ich meine Mannschaft schon im Kopf, doch die endgültige Aufstellung gebe ich erst kurz vor dem Spiel bekannt. Es ist damit zu rechnen, dass zwei Neuzugänge in der Anfangself stehen werden.
OZ: Obwohl die Mannschaft in der Verbandsliga mit die meisten Treffer erzielt hat, fehlt dem Team ein Knipser. Wer soll im Sturm die Tore schießen?
Lange: Wir wollen als Team weiterhin schwer ausrechenbar sein, deshalb ist für mich nicht entscheidend, ob es einen Knipser in der Mannschaft gibt. Wichtig ist, dass wir auf mehreren Positionen torgefährlich sind. Das hat die letzte Saison in der Verbandsliga eindeutig belegt. Mir ist es egal, wer am Ende die Tore schießt. Hauptsache, wir spielen erfolgreich.
OZ: Die Kosten in der Oberliga werden sich erhöhen. Kann der FC Anker die Saison beruhigt angehen oder rechnen Sie nur von Monat zu Monat?
Kny: Wir haben in den zurückliegenden zwei Jahren eine nachhaltige Basisarbeit im Bereich des Vereins, bezogen auf die Mitglieder und vor allen Dingen bezogen auf das Sponsoring, geleistet. Unsere Planung für das Spieljahr 2010/2011 haben wir mit unserem Finanzplan untermauert, sodass das Jahr gesichert ist. Unser Augenmerk legen wir sowohl auf die Einnahmen, aber vor allen Dingen auf die Kosten, denn wir gehen mit einer hohen Unterstützung der Sponsoren in die Saison. Dieses Geld effektiv zu verwalten und im Verein über die gesamte Struktur, von den Kindern bis zu den Männern, einzusetzen, haben wir im Jahreshaushalt untersetzt.
OZ: Reicht der Sponsorenpool aus?
Kny: Nein! Ein großes Augenmerk legen wir auf den Kinder- und Jugendbereich. Und um hier die Leistungen und die Angebote des Vereins an die Kinder und Jugendlichen zu erhöhen, müssen wir weiter um jeden Sponsor werben. Sponsoren garantieren das Leben im Verein. Sie garantieren, dass wir im Kinder- und Jugendbereich zusätzliche Potenziale in der Ausbildung für die Zukunft schaffen.
OZ: Ist das Kurt-Bürger-Stadion überhaupt oberligatauglich?
Kny: Eindeutig ja! Die Unterstützung durch die Stadt Wismar hat sich in den letzten zwei Jahren kontinuierlich auf Schwerpunkte gerichtet, wie zum Beispiel die Sanierung der Herren-Toiletten, des Marathontores, in dem die Fangruppe ihren eigenen Raum haben wird, die Erweiterung der Sitz- und Stehplätze, die Sanierung des Treppenbereiches und die vorgesehenen Maßnahmen für die Flutlichtanlage und den Fanblock der Gastmannschaften. Ein Dankeschön geht an die Stadt.
OZ: Werden die Preise für die Oberligaspiele erhöht?
Kny: Die Eintrittsgelder sind ein entscheidender Beitrag für die Aufrechterhaltung unseres gesamten Trainingsbetriebes, von der G-Jugend bis zu den Männern und Frauen. Deshalb freuen wir uns über jeden Fan, der ins Stadion kommt. Trotzdem müssen wir dem zusätzlichen Aufwand, bezogen auf die Sicherheit im Stadion, Rechnung tragen. Deshalb werden wir die Eintrittspreise moderat von vier auf fünf Euro, für die Tribüne von fünf auf sechs Euro erhöhen. Der Verkauf der Dauerkarten erfolgt ab morgen in der Geschäftsstelle des FC Anker Wismar im Kurt-Bürger-Stadion täglich von 9 bis 17 Uhr.
OZ: Wohin soll die Reise im Kinder- und Jugendbereich gehen?
Kny: Die 14 Kinder- und Jugendmannschaften sind das Herzstück des Vereins. Darauf haben wir für die laufende Saison als Vorstand und Aufsichtsrat weiter Einfluss genommen. In die Struktur unseres Vereins haben wir mit dem Jugendobmann Dinalo Adigo eine Besetzung gefunden, die uns in der Zukunft garantieren wird, dass sich im Kinder- und Jugendbereich die Qualität und damit die Zugkraft des FC Anker auf sein Umfeld weiter erhöhen wird. Wir wollen mit Aktivitäten wie der Jugendakademie im Fußball im nächsten Jahr und wie bei Turnieren für diesen Bereich die Attraktivität des Vereins und der Stadt Wismar erhöhen. Ziel muss es sein, das eine der Jugendmannschaften in die Regionalliga aufsteigt, damit wir uns vergleichen können mit Vereinen, die dieses Ziel schon erreicht haben. Die Kinder- und Jugendarbeit ist die Basis für unsere Zukunft.
OZ: Heißt das, der FC Anker peilt den Aufstieg der Männermannschaft in die Regionalliga an?
Kny: Davon kann keine Rede sein, weil wir in unserem Umfeld zurzeit keine Voraussetzung haben, diese Liga finanziell abzusichern.
OZ: Die zweite Mannschaft ist ebenfalls aufgestiegen und spielt in der neuen Saison in der Kreisoberliga. Ist damit das Ziel schon erreicht?
Lange: Nein! Unser Ziel in dieser Saison ist der Aufstieg in die Landesklasse, damit sich der Abstand zwischen erster und zweiter Mannschaft weiter verkürzt.
OZ: Frauenfußball, ist das nur ein Alibi für die bevorstehende Fußball-WM der Frauen in Deutschland oder will der FC Anker mit seiner Verbandsligamannschaft und der Förderung mehr erreichen?
Kny: Wir haben mit unseren Frauen die Vorstellung, dass wir uns sowohl bei der ersten Mannschaft als auch bei den Kindern und Jugendlichen mit der begonnenen Kontinuität weiterentwickeln wollen. Das ist aber nach wie vor nicht leicht, Mädchen im Alter von acht bis 15 Jahren zu begeistern, um sie bei uns auszubilden und somit für die erste Mannschaft vorzubereiten. Hier werden wir in den nächsten Jahren noch hart arbeiten müssen.
OZ: Wie viele Mitglieder und Mannschaften hat der Verein?
Lange: Wir haben aktuell 458 Mitglieder, davon spielen über 200 aktiv Fußball, und insgesamt 18 Mannschaften, darunter ist auch eine Frauenmannschaft in unserem Verein. Wir sichern den Spielbetrieb mit 38 Trainern und Betreuern ab, die das Rückgrat in unserem Verein für die sportliche Ausbildung darstellen.
von Peter Preuß




