Beim FC Anker klingeln sich Telefone heiß

06.05.2006


Der FC Anker Wismar kommt nicht aus den Schlagzeilen heraus. Gestern wurden Manipulationsvorwürfe scharf zurückgewiesen. Gestern Morgen klingelten sich förmlich die Telefone in der Geschäftsstelle des Fußball-Oberligisten FC Anker Wismar heiß, nachdem im Rundfunk und in der Presse über einen Manipulationsverdacht in der Oberliga berichtet wurde. Konkret geht es um die Begegnung vom 30. April Berliner AK gegen FC Anker Wismar, die damals 1:3 für die Gäste endete. So sollen bereits am 28. April innerhalb von zehn Minuten bei einem Internet-Sportwetten-Anbieter mehrere verdächtige Tipps eingegangen sein.

Danach seien diese Wetten jedoch von der Liste gestrichen worden. Für den Sportdirektor des FC Anker, Enver Alisic, ist das ein Beispiel, wie gut das Sicherheitswarnsystem des DFB nach dem Wettskandal schon funktioniert. „Ich wurde von Journalisten gefragt, wie es sein könne, dass Anker plötzlich die Spiele gegen leistungsstarke Mannschaften gewinnt. So wird nun in der Öffentlichkeit der Eindruck erweckt, dass Anker etwas mit Manipulation zu tun hätte. Für uns als Verein ist dieser Vorwurf absurd. Jeder, der am Mittwoch den 1:0-Heimsieg gegen den Spitzenreiter und Aufstiegsaspiranten 1. FC Union Berlin im Kurt-Bürger-Stadion gesehen hat, konnte sich ein eigenes Bild vom gestiegenen Leistungsstand unserer Mannschaft machen. Leider kommt das alles zu spät. Wir planen bereits für die Verbandsliga, weil wir den Klassenerhalt gar nicht mehr aus eigener Kraft schaffen können. Dennoch hat die Mannschaft den Ehrgeiz, ihren Fans zu zeigen, dass sie doch besser ist als ihr Ruf. Dass wir die ersten Spiele allesamt vergeigt haben, dafür gibt es Ursachen, über die wir intern geredet haben“, so Alisic. Doch tatenlos will der Sportdirektor die in der Öffentlichkeit kursierenden Gerüchte nicht hinnehmen. So haben alle Anker-Spieler eine schriftliche Erklärung abgegeben, in der sie bestätigen, dass sie am 30. April keine Wette für das Oberligapunktspiel Berliner AK gegen FC Anker Wismar abgeschlossen haben und auch künftig keine Wetten für Spiele des FC Anker abschließen werden. „Wir haben gleich nach der neuen DFB-Richtlinie die Verträge aller Spieler angepasst. Das war bereits zum 1. Juli 2005. Den Spielern ist seitdem verboten, auf eigene Spiele Wetten abzugeben“, bestätigt Enver Alisic.

Empört reagierte gestern auf OZ-Anfrage der Geschäftsführer des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV), Holger Fuchs, auf die Vorwürfe. „Wir haben von diesen angeblichen Vorwürfen erst aus der Presse erfahren und danach diese gleich dem DFB weitergeleitet. Uns liegen bis heute keine Erkenntnisse vor, die darauf schließen, dass irgendein Spiel aus der Oberliga manipuliert wurde“, so Fuchs. „Es ist unverantwortlich, wie hier in der Öffentlichkeit Stimmung gegen die Amateurvereine gemacht wird, ohne das etwas bewiesen ist“, ergänzte er. Für Anker-Trainer Bego Catic spielen die Pressemeldungen in seiner Vorbereitung auf das morgige Punktspiel gegen Tennis Borussia Berlin (Anstoß 14 Uhr) im Kurt-Bürger-Stadion überhaupt keine Rolle. „Wir wollen wieder guten Fußball spielen und würden uns freuen, wenn uns viele Fans dabei den Rücken stärken. Ich verspreche ein spannendes Spiel“, versichert Bego Catic.

Peter Preuss