Anker will zweiten Sieg unter Flutlicht

14.10.2010

Zum zweiten Mal innerhalb von fünf Wochen bestreitet Fußballoberligist FC Anker Wismar ein Flutlichtspiel. Diesmal morgen ab 20 Uhr im Berliner Mommsenstadion gegen Tennis Borussia. Tennis Borussia Berlin (kurz TeBe oder TB Berlin) wurde am 9. April 1902 als Berliner Tennis- und Ping-Pong-Gesellschaft aus dem Boden gestampft. Obwohl der Verein ursprünglich als Tennis- und Tischtennis-Verein gegründet worden ist, entdeckte man schon 1903 den Fußball für sich und erwarb für 50 Pfennig eine Lizenz, die zur Teilnahme an der Berliner Meisterschaft berechtigte. Mitte der 1920er-Jahre entwickelte sich Tennis Borussia zu einer der führenden Fußballmannschaften Berlins.

Als 1963 die Bundesliga eingeführt wurde, hießen die beiden führenden Berliner Vereine Hertha BSC und Tasmania 1900. Tennis Borussia fand sich zu diesem Zeitpunkt in der zweitklassigen Regionalliga wieder. In den Spielzeiten 1974/75 und 1976/77 war TeBe sogar im Fußball-Oberhaus zu finden, stieg aber jeweils nach einer Saison wieder in die 2. Bundesliga ab.

Die Saison 2008/09 schloss die Mannschaft als Tabellenerster ab und schaffte damit die Rückkehr in die Regionalliga Nord, aus der die Berliner allerdings nach nur einem Jahr Zugehörigkeit als 15. wieder abstiegen.

Da aufgrund des Abstiegs fast die gesamte Regionalligamannschaft den Verein verließ, war kurz vor Saisonbeginn das Überleben des Berliner Traditionsvereins mehr als fraglich. Mit 150 000 Euro plant der Fünftligist jetzt. 20 000 Euro sind durch einen Spendenaufruf zusammengekommen.

TeBe hat bereits alle Spielergehälter für die komplette Saison inklusive Lohnnebenkosten auf ein Treuhandkonto eingezahlt, so wie es der Insolvenzverwalter kurzfristig verlangt hatte. Für den Berliner Traditionsclub geht es deshalb in dieser Saison einzig um eine Perspektive. Und die heißt: Überleben.

Zum Saisonbeginn sah es dann auch sehr prekär für die Elf aus dem Mommsenstadion aus, denn aus den ersten sechs Spielen holte das Team nur einen Punkt und kassierte teilweise sehr klare Niederlagen.

Erst am 7. Punktspieltag gelang den Berlinern dann der erste Sieg, 2:1 gegen Aufsteiger SV Altlüdersdorf. Doch dieser Erfolg scheint das Selbstvertrauen der TeBe-Elf ziemlich gestärkt zu haben, denn am letzten Punktspielwochenende gelang dann ein 0:0 bei Tabellenführer Berliner AK.

Nach der Partie in Malchow ist diese Begegnung für die Ankerelf bereits die zweite in dieser Saison unter Flutlicht. Bleibt zu hoffen, dass die Hansestädter morgen Abend so erfolgreich aus diesem Spiel heraus gehen wie vor kurzem im Malchower Waldstadion, als Sebastian Schiewe kurz vor Schluss den 1:0-Auswärtssieg sichern konnte.

Schiewe selbst wird diesmal allerdings nicht mit im Kader stehen, da er sich eine bakterielle Infektion zugezogen hat. Aus der Startaufstellung des letzten Punktspiels gegen die TSG Neustrelitz fehlt diesmal auch David Rosinski, der in diesem Spiel die fünfte gelbe Karte kassiert hat und in Berlin nur auf der Tribüne Platz nehmen kann. Weiterhin fallen Marcel Heine und Thomas Schwandt aus.

Wieder mit zum Kader der Hansestädter gehören Erik Schameitke und Kevin Suppa, die am vergangenen Wochenende mit der U21-Auswahl von Mecklenburg-Vorpommern in Duisburg weilten, sowie Björn Gierahn.

Einige Spieler des FC Anker stehen vor Jubiläumsspielen, denn Mathias Schnöckel würde sein 100. Punktspiel im Ankertrikot bestreiten, Sissoko Moussa und Björn Gierahn ihr 50. Also genug Gründe, sich mit einem Sieg oder einem Remis selbst zu beschenken!

von Andreas Kirsch (Ostsee-Zeitung)