Alisic will drei Zähler an der „Alten Försterei“

23.09.2005


Die Zuschauerzahlen des Traditionsvereins reichten in den ersten drei Heimspielen von 5008 bis 14 020. Starke Einzelspieler und ein siebenstelliger Jahresetat garantieren professionelle sportliche Bedingungen. Kurzum: Union Berlin ist die Übermannschaft schlechthin. Das galt zumindest vor der Saison. Denn der raue Oberliga-Alltag lehrte auch die Unioner, dass man in dieser Spielklasse nichts geschenkt bekommt. Schon gar nicht für einen großen Namen.

Und so verwundert es nicht, dass der Trainer des FC Anker Wismar beim Auswärtsspiel in Berlin (Sonntag, 14 Uhr, An der Alten Försterei) nicht ein bescheidenes Unentschieden, sondern einen Sieg einzufahren gedenkt. Enver Alisic will es wissen. Genau mit der Mannschaft, die am vergangenen Sonntag 3:0 gegen Ludwigsfelde gewann. „Unsere Abwehr ist gefestigt. Und wenn wir eine Torchance bekommen, müssen wir sie nutzen“, weiß der Fußball-Lehrer. Ex-Profi Frank Lieberam, der seit Dezember 2004 den 1. FC Union trainiert, wartet mit seiner Mannschaft seit drei Begegnungen auf einen Erfolg. „Diese Spiele muss man differenziert bewerten“, betont der Trainer des Kult-Klubs. „Gegen Neuruppin haben uns einige entscheidende Leute gefehlt. Im letzten Heimspiel gegen Eberswalde (2:2/d. Red.) haben wir nicht die Einstellung an den Tag gelegt, die man braucht. An diesem Tag bestand eine Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit“, resümierte Lieberam.

Solche Tage hat Trainer-Fuchs Alisic in seiner noch kurzen Amtszeit in Wismar auch schon erlebt. „Aber die Probleme zwischen den Nationalitäten innerhalb der Mannschaft sind Geschichte. Ich kann also wieder ruhiger schlafen“, versichert der Fußball-Lehrer. Von der neuen Harmonie im Team erhofft sich der Trainer auch bessere sportliche Leistungen. Einige Akteure des FC Anker Wismar werden erstmals vor mehreren tausend Zuschauern spielen. Alisic glaubt nicht, dass sich die jungen Wismarer Spieler zu sehr davon beeindrucken lassen. „Nein, das ist unser kleinstes Problem. Ich würde am liebsten vor 20 000 spielen“, sagt der Trainer.

Die Gastgeber stehen gehörig unter Druck. „Bei diesen Bedingungen, die wir bieten, ist es eine verdammte Pflicht, in der Oberliga Erster zu werden“, hatte Unions Präsident Dirk Zingler vor dieser Saison erklärt. Der Rückstand zu Tabellenführer Neuruppin beträgt nach sechs Spielen aber schon sieben Punkte. „Unsere Spieler haben alle schon einmal höherklassig gespielt. Sie können mit dem Druck gut umgehen“, hält Lieberam den Ball flach. Sollte es für Union aber wieder nicht zu einem Sieg reichen, wäre der anvisierte Aufstieg in weite Ferne gerückt. Sollte Anker Wismar am Sonntag etwa zum Spielverderber werden?

Robert Schwarz